Vogelhaus aus Beton „Rohbau“

 

Diese Frage erreichte uns kürzlich per Email, verbunden mit dem Verweis auf (Holzbeton-)Vogelhäuser, die ja auch günstiger seien, und ein paar Überlegungen, wie hoch (bzw. niedrig) wohl die Materialkosten bei Betoniu seien. Ich finde die Anregung gut, Hintergründe unserer Preisgestaltung transparent zu machen, und antworte deshalb nicht „privat“, sondern im Blog öffentlich.

Beginnen wir bei den Wareneinstandskosten. Richtig – die Materialkosten sind recht niedrig und liegen quer über unsere Produktpalette bei ca. 9 bis 15% des Verkaufspreises. Der Beton ist nicht ganz so preiswert wie Standardbaubetone, hinzu kommen Zuschlagstoffe, Pigmente, Trennwachse, Bewehrungsfasern oder -eisen und Additive, um Verarbeitung und Materialeigenschaften des Betons zu optimieren.

Handarbeit in der Betonwerkstatt

Ein wesentlicher weiterer Faktor sind die Kosten für Formenbau und -instandhaltung. Der Bau einer Produktionsform, z.B. für einen Rohbau, schlägt mit vielen Hundert Euro zu Buche. Aus dieser Form können dann jedoch nur eine begrenzte Zahl von Abgüssen erfolgen, bevor die Form aufgearbeitet werden muss. Unterm Strich liegen die anteiligen Formkosten in ähnlicher Größenordnung wie die Materialkosten.
Wie lang ist nun aber die Arbeitszeit, um ein Produkt zu gießen? Auch die liegt höher, als oberflächliche Betrachtung nahelegt. All unsere Produkte entstehen in einem handwerklichen, nicht industriellen Prozess, bei dem nie mehr als 6 – 10 Produkte parallel gefertigt werden. Zudem legen wir Wert auf besondere Oberflächengüte, die nicht zu vergleichen ist mit rein funktionalen Massenprodukten. Zur Fertigung selbst gehört die Einrichtung der Form (säubern, mit Trenmittel vorbereiten), Vorbereiten und Mischen des Betons, der eigentliche Guss, die Überwachung der Verdichtung (oft über mehrere Stunden), das Entformen und die Schlussbearbeitung des Materials (entgraten, ggf. Oberflächenbehandlung etc.). Unter einer halben Stunde Arbeitszeit entsteht kaum eins unserer Produkte, bei den meisten (übrigens auch bei Rohbau, für den ja zusätzliche Holzarbeiten nötig sind) liegt die Arbeitszeit deutlich darüber.

Apropos Arbeitszeit und Arbeitskosten: Gewiss könnte man auch diese zwei Stunden östlich von Leipzig günstiger einkaufen – aber will man das wirklich? Ich zumindest bevorzuge eine Produktion vor Ort mit leistungsgerechter Bezahlung, bei der Überstunden bezahlt und vielleicht sogar zum Jahesende eine kleine Prämie ausgeschüttet wird, wenn die Unternehmenziele erreicht werden.

Der letzte Produktonsaspekt ist die Verpackung. Da Betonprodukte beim Versand bruchgefährdet sind, müssen wir in ordentliche Produktverpackung etc. investieren – auch wieder deutlich über ein Euro auf der Kostenseite.

Ergibt das alles nun 89 €? Nein – denn für Vater Staat mit seinen 19% MwSt, unsere Handelspartner und die Designer, die die jeweiligen Produkte entworfen haben, muss ja auch noch ein adäquater Anteil vom Verkaufserlös übrig bleiben. Und selbst wenn wir die Produkte direkt an Endkunden verkaufen, wird davon die Werbung, das Handling und die Shoppflege bezahlt.

Betoniu hat im vergangenen, vierten Jahr seines Bestehend erstmals seine operativen Kosten eingespielt. Das freut uns – zeigt leider aber auch, dass wir keineswegs „fett“ kalkulieren. Es gibt Alternativen zu unseren Produkten, die vielleicht ein anderen Designanspruch und andere Fertigungsqualität aufweisen, aber dafür billiger sind. Wem es nur um reine Funktionalität geht, ist damit gut bedient – wer einen höheren Anspruch hat, muss halt etwas mehr zahlen.